Dieses Zeichen setzen die Schöninger an Weihnachten gegen die Einsamkeit
Schöningen. Die Stadtgesellschaft lud alleinstehende Menschen ins Schloss ein. So herzergreifend ging die Idee der Herzensweihnacht auf.
Von Dirk Fochler
Die Schöninger Kirchengemeinden, die Stadtverwaltung, der TC Schöningen und die Diakonie haben die Herzensweihnacht im Herzoginnensaal des Schlosses als Angebot für einsame Menschen ermöglicht. © FMN | Dirk Fochler
Einsamkeit ist ein zunehmendes gesellschaftliches Problem. Insbesondere an Weihnachten macht das Alleinsein vielen Menschen zu schaffen. Da wirkte es wohltuend, dass am Tag vor Heiligabend die Schöninger Stadtgesellschaft ein Zeichen gegen Einsamkeit gesetzt hat – mit dem Projekt Herzensweihnacht.
Mitglieder aus den Kirchengemeinde waren als Helferinnen und Helfer bei der Schöninger Herzensweihnacht im Einsatz. © FMN | Dirk Fochler
Wer sich einsam fühlte, konnte zur Weihnacht einfach ins Schöninger Schloss kommen
Die Schöninger Kirchengemeinden, die Diakonie, der Sportverein TC Schöningen und die Stadtverwaltung haben mit Unterstützung von einigen örtlichen Einhandelsbetrieben und Unternehmen die Herzensweihnacht auf den Weg gebracht. Alle, die in Schöningen und den umliegenden Orten einsam sind oder sich allein fühlen, konnten am Mittwochabend in den Herzoginnensaal des Schöninger Schlosses kommen.
Die Zubereitung des Essens bei der Schöninger Herzensweihnacht haben Ilka und Manfred Voigt mit ihrer Tochter Vanessa Sölter (Mitte) übernommen. © FMN | Dirk Fochler
„Es ist einfach wunderbar, dass es so etwas gibt. Andere Menschen treffen, ins Gespräch kommen, Geselligkeit und Miteinander erleben – das bringt Abwechslung ins Leben und macht Spaß“, erzählte uns Josef Ridder aus Söllingen. Ridder ist körperlich beeinträchtigt, auf einen Rollstuhl angewiesen. „Auch dafür haben wir eine Lösung gefunden und konnten so Herrn Ridder die Teilnahme ermöglichen“, berichtete Annika Quiring.
Annika Quiring, Koordinatorin Gemeindearbeit in der Propstei Helmstedt, war die Hauptorganisatorin der Schöninger Herzensweihnacht. © FMN | Dirk Fochler
Mehr als 80 Gäste kamen und waren berührt von der Herzlichkeit
Quiring, Koordinatorin Gemeindearbeit der Propstei Helmstedt, war eine der Hauptorganisatorin der Schöninger Herzensweihnacht. „Wir wissen, dass es viele einsame Menschen gibt. Es fällt aber vielen auch schwer, darüber zu sprechen oder sich selber aktiv um soziale Kontakte zu bemühen. Unsere Hoffnung war, dass wir mit diesem niederschwelligen Angebot Menschen zu einem ersten Schritt aus der Einsamkeit verhelfen können“, erklärte Quiring.
Mehr als 80 Personen waren am Mittwochabend in den Herzoginnensaal gekommen. Alle, mit denen wir gesprochen haben, waren begeistert und haben sich spürbar wohlgefühlt. Gekommen waren übrigens nicht nur Ältere. Einsamkeit ist eben nicht nur ein Problem unter Menschen im Rentenalter. Gekommen waren beispielsweise auch Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet und hier bei uns untergekommen sind.
Einsamkeit breitet sich in allen Teilen unserer Gesellschaft aus
Einsamkeit hat viele Facetten und breitet sich in allen Teilen unserer Gesellschaft aus. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung, der wohl auch nur mit gemeinschaftlichem Handeln entgegengewirkt werden kann. So haben sich die Kirchengemeinden von Protestanten und Katholiken sowie der Christuskirchen-Gemeinde, die Diakonie, der TC Schöningen und die Stadtverwaltung zusammengetan und dieses Nächstenliebe-Angebot auf die Beine gestellt.
Eine warme Mahlzeit und Getränke gab es dabei ebenso kostenlos wie musikalische Unterhaltung oder eine kurze Andacht inklusive ein paar Gedanken zum Weihnachtsfest. Das Fleisch für das Essen hat das Schöninger Einzelhandelsgeschäft „Marktkauf“ spendiert.
Zubereitet haben die Speisen – es gab Jägerbraten und Putenbrust in Blätterteig – Ilka und Manfred Voigt mit Tochter Vanessa Sölter als ehrenamtliche Unterstützer. 40 überwiegend jüngere Mitglieder aus den Kirchengemeinden haben den Service übernommen. Und der TC Schöningen hat für jeden Gast ein kleines Geschenk organisiert.
„Für Menschen, die sich einsam fühlen oder so ein bisschen den Anschluss an die Gesellschaft verloren haben, etwas Gutes zu tun, macht Spaß und kommt von Herzen“, befand Manfred Voigt abschließend und machte sich aus der Küche auf in den Herzoginnensaal, um den Teilnehmern der Schöninger Herzensweihnacht den Nachtisch zu kredenzen.
Helmstedter Nachrichten (online) vom 25.12.2025
TC am Schöninger "Herzensprojekt" beteiligt
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