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Die positive Entwicklung wird zur Trumpfkarte

Handball: Für Verbandsliga-Aufsteiger HG Elm gestaltet sich die Planung für die kommende Saison schwierig.

Jörg Kleinert

Schöningen Der Aufstieg am Grünen Tisch ist ein paar Tage her. Nach 20 von 26 Spieltagen war für die HG Elm Anfang März Schluss. Corona bremste nicht nur den Handball auf allen Spielebenen aus. Für die HG, zu diesem Zeitpunkt mit drei Punkten Vorsprung Landesliga-Spitzenreiter, war nach dem Abbruch der Spielzeit schnell klar: Das Team steigt in die Verbandsliga auf. Quotienten-Regelung hin, Quotienten-Regelung her.

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Der Aufstieg fühlt sich immer noch komisch an für Jannic Steinke und die HG Elm. Darius Simka regios24

Doch wie fühlt sich der Verbandsliga-Aufstieg mit ein bisschen Abstand an? „Noch immer komisch“, sagt Daniel Reckel, Trainer der HG Elm. Die Welle der Aufstiegs-Glückwünsche hätten er und seine Jungs nicht in verschwitzten Trikots in der Sporthalle durch Applaus oder das Schulterklopfen der eigenen Fans erlebt, sondern durch Kommentare in den sozialen Medien. Als Mannschaft seien seine Spieler im Grunde seit dem letzten Pflichtauftritt gegen den VfL Lehre Anfang März nicht mehr zusammengekommen. „Wir haben uns zwar per Facetime nach dem Aufstieg noch mal gesehen, doch das war’s“, sagt Reckel.

Online-Partys im Chatroom ersetzen aber keine Aufstiegsparty. Feiern geht nur real. „Surreal“ nennt deshalb Nils Winning diese Situation. Der Torhüter der HG Elm, mit fast 33 Jahren einer der Erfahrenen im Team, sagt: „Das war der bescheidenste Aufstieg, den ich jemals mitgemacht habe.“ Winning muss es wissen, er ist seit 27 Jahren Handballer. „Ich bin mal mit dem MTV Warberg aufgestiegen. Danach haben wir uns drei Tage zum Feiern ins Sportheim eingeschlossen“, erinnert sich Winning an den emotionalen Ausnahmezustand. Der derzeitige Wartestand sei auch für ihn ungewohnt, sagt der Elm-Torhüter. „Eine so lange Handballpause habe ich noch nie erlebt.“

Wie geht ein Trainer in dieser Auszeit mit seiner Mannschaft um? Daniel Reckel spricht über bevorstehendes Outdoor-Aufbautraining, über den Acht-Stufen-Plan des Deutschen Handballbundes (DHB) – ein zeitlicher Leitfaden für den Wiedereinstieg in den Wettkampfbetrieb (siehe Infokasten) –, aber auch über die schwierige Personalplanung hinsichtlich weiterer Neuzugänge so ganz ohne Probetraining-Möglichkeiten.

„Es kribbelt“, sagt Reckel. Von Tag zu Tag mehr. So langsam kommen er und seine Handballer in den Entzugsbereich. Das mehrmalige Training pro Woche, die Gemeinschaft mit Teamkollegen, die Emotionen – all das bleibt angesichts der coronabedingten Zwangspause auf der Strecke. „Wir wollen uns einfach mal wieder sehen, mal wieder miteinander sprechen. Es fällt schwer, zwei Monate keinen direkten Kontakt zu haben“, sagt der Wolfsburger.

Es gehe nun darum, die alte Saison aufzubereiten, aber auch, die neue Spielzeit zu besprechen. Eines ist klar: Nicht nur die aktuelle Pause wird für jeden Handballer wohl die längste seiner Laufbahn sein, auch die Vorbereitung auf die Spielzeit 2020/2021 werde sich ziehen. „Im schlimmsten Fall geht es für uns mit Punktspielen nach den Herbstferien im Oktober los“, ahnt Reckel. Personalplanungen seien deshalb schwer umsetzbar. „Spieler zu Probetrainings einzuladen, fällt in diesem Sommer schwer“, so Reckel. „Da hilft nur Überzeugungskraft in Gesprächen.“ Trumpfkarte der HG sei, dass sich die Mannschaft in den vergangenen 15 Monaten positiv entwickelt habe – nämlich von einem Landesliga-Abstiegskandidaten zu einem künftigen Verbandsligisten.

Dem Acht-Stufen-Plan des DHB für den Wiedereinstieg in den regulären Handballbetrieb, angefangen vom autonomen und individuellen Training bis zum Wettkampf mit Publikum, steht Reckel offen gegenüber. „Idealistisch betrachtet ist der Plan nicht verkehrt, er ist für die Amateurvereine ein guter Leitfaden“, sagt der Elm-Trainer. Der DHB-Plan sei indes hinfällig, sollten die Fallzahlen der Corona-Infizierten in den kommenden Monaten wieder steigen. Es wäre nach dem jüngsten Lockerungs-Rausch der Bundes- und Landespolitik der Super-GAU – nicht nur für die Handballer. Reckel: „Dann würde alles zurückgefahren und wieder dicht gemacht werden.“

Quelle: Braunschweiger Zeitung 12.05.2020
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