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Kontaktlos trainieren? Die HG Elm macht’s vor

Handball Wir haben Trainer Daniel Reckel und sein Team bei einer Einheit unter Corona-Bedingungen besucht.

Jörg Kleinert

Helmstedt Handballtraining in Corona-Zeiten? Geht doch gar nicht! Doch, es geht! Zumindest bei Verbandsliga-Aufsteiger HG Elm. Die Spielgemeinschaft aus Schöningen und Schöppenstedt trainiert seit zwei Wochen wieder in der Halle. Vorbei ist die Zeit des Individualtrainings unter freiem Himmel – willkommen ein Stück weit zurück in der Sportler-Normalität.

Aber ist es wirklich sportliche Normalität, in die Trainer Daniel Reckel und seine Spieler einmal pro Woche für jeweils streng getaktete 90 Minuten in der Schöppenstedter Sporthalle am Elm-Asse-Platz eintauchen? „Nein, es ist alles sehr komisch“, sagt Reckel. Mit Normalität habe die Trainingseinheit wenig zu tun. „Und das wird wegen der stringenten Hygienebestimmungen vorerst auch so bleiben“, ahnt der HG-Trainer.

Mal eben zu einem Trainingsabend in der Halle aufschlagen, vor der Tür ein Schwätzchen mit den Teamkollegen halten, das Sich-Abklatschen, die freundschaftlichen Umarmungen, das gemeinsame Umziehen vor und das Duschen nach dem Training, anschließend noch ein Bierchen – das alles war vor Corona. Die Realität für eine Handballmannschaft wie die der HG Elm ist eine andere.

„Wir haben ein klar definiertes Zeitfenster für unser Training“, erzählt Reckel. Soll heißen: Jeder Spieler soll möglichst auf die Minute genau an der Halle ankommen. Langes Aufhalten vor der Eingangstür und freudige Gespräche mit den Teamkollegen sind tabu. „Man will verhindern, dass sich Pulks bilden“, so Reckel. Das gemeinsame Umziehen in der Kabine – ebenfalls tabu. Jeder Spieler kommt also in voller Sportlermontur in die Halle, betritt er sie, muss er sich zunächst die Hände desinfizieren.

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Abstand halten – das ist nach wie vor oberstes Gebot. In den Trainingspausen nutzen die Spieler dafür die gesamte Breite der Tribüne. Fotos (3): Sebastian Priebe regios24

In der Halle gilt: Abstand halten! Oberstes Gebot: Hände und Bälle werden in regelmäßigem Turnus desinfiziert. „Das alles ist extrem mühsam, aber wir wollen diesen Aufwand betreiben, um wieder so etwas wie eine Regelmäßigkeit in unseren Trainingsbetrieb zu bekommen“, sagt der HG-Coach.

Doch das Training sieht auch inhaltlich anders aus als vor Corona. Zweikämpfe und Körperkontakt sind noch immer untersagt. „Wir haben sicherlich einen kleinen Schritt in Richtung Normalität gemacht. Aber man vermisst die direkten Duelle, diesen Wettkampf, der zum Handball einfach dazugehört“, fügt Rene Libbe, der Vorsitzende der HG Elm, hinzu.

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Da Kontakt – und damit auch das Blocken – verboten ist, dienen zurzeit Dummys, die sogenannten Air Bodys, als Gegenspieler.

„Wir trainieren die Basics“, sagt Reckel. Technikschulung in einer Intensität, wie sie die Spieler wohl seit Jugendliga-Zeiten nicht mehr erlebt haben. „Man kann auch ein bisschen die Kraft, Ausdauer, Koordination und Laufwege trainieren – aber das war’s.“ Er betont indes: „Trotzdem soll der Ball nicht vernachlässigt werden. Wir versuchen, ein normales Handball-Feeling aufzubauen, was in der letzten Zeit alle vermisst haben.“ Also ist stets auch etwas Wurftraining angesagt, bei dem meist Dummys als Gegenspieler zum Einsatz kommen.

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Sein Training muss er zwar den Vorgaben anpassen, dennoch versucht HG-Trainer Daniel Reckel das Beste aus der Situation zu machen.

Nach 85 Minuten ist die Einheit beendet. Auf die Minute. Die Nächsten warten vor der Tür. „Dann bleiben uns fünf Minuten, um die Halle zu verlassen“, erzählt der Elm-Trainer. „Und zwar durch einen gesonderten Ausgang.“ Die Halle wird zur Einbahnstraße, denn, so Reckel, „es sollen sich am Eingang keinesfalls zwei Mannschaften begegnen“. So recht gewöhnen mag er sich daran allerdings nicht.

Dennoch: So weit wie die HG Elm wären die Oberliga-Handballer der HF Helmstedt-Büddenstedt nur zu gerne. Ihre Heimstätten, die Julianum-Sporthallen, sind derzeit voll möbliert. Dort, wo sonst Bälle über das Parkett fliegen, sind derzeit Stühle, Regale und Tische für Klassenzimmer aufgebaut. „Daran wird sich bis zu den Sommerferien nichts ändern“, ahnt HF-Trainer Markus Kopp. „Wir wollten in die Kanthalle ausweichen, aber dort finden Renovierungsarbeiten statt.“ Und die Hermann-Gieseler-Halle in Magdeburg, jahrelang Ausweich-Trainingshalle der Helmstedter, komme ebenfalls nicht infrage, erzählt der HF-Coach. „Dort sind wir seit Januar abgemeldet, weil der Kosten-Nutzen-Faktor nicht mehr gepasst hat.“ Was bleibt? „Individualtraining. Radfahren, Joggen“, so Kopp. „Es ist fraglich, wann wir wieder richtig loslegen können.“

Quelle: Braunschweiger Zeitung 13.06.2020

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